Bayreuther Tenuki - Fragen und Antworten

Überblick

1. "Tenuki"
2. Zeitplan
3. Auslosung
4. MacMahon
5. Vorgabe
6. Regeln
7. Startgeld und Preise
8. Verpflegung und Übernachtung

weitere Fragen

1. "Tenuki"

Wer kam nur auf diesen seltsamen Namen?
Beim "XV. Berliner Kranich 1995", einem anderen Goturnier, schnitten die damaligen Bayreuther Spieler Andreas Schäfer, Bernd Gramlich und Henning Lochmüller außergewöhnlich erfolgreich ab. Übermüdet und euphorisch wie wir auf der Heimfahrt waren, beschlossen wir, fortan ein eigenes jährliches Turnier zu veranstalten, und suchten nach einem prägnanten und geistreichen Namen, um uns in der deutschen und europäischen Turnierszene wenigstens ein bißchen hervorzuheben. Nach etlichem Herumwitzeln erschien uns schließlich "Tenuki" als der beste Vorschlag.
Was bedeutet eigentlich "Tenuki"?
Wenn man im Go auf einen gegnerischen Satz nicht unmittelbar reagiert, sondern woanders weiterspielt, so heißt der eigene Satz "Tenuki". Das war auch die ursprüngliche Botschaft, die wir mit dem Namen vermitteln wollten: "Spielt doch einmal woanders, spielt in Bayreuth!"
Mittlerweile wird uns der Name von Scherzbolden aber genau umgekehrt ausgelegt: "Bleibt doch fern und spielt zu Hause!" Das bißchen Spott macht aber gar nichts, denn das Bayreuther Tenuki ist nach wenigen Jahren schon zu einem festen Begriff für ein besonders gemütliches und gut organisiertes Turnier geworden, so daß wir wunderbar mit dem Ruf eines Geheimtips leben können.
Ist das Bayreuther Tenuki also ein Thementurnier?
Nein, überhaupt nicht. Alle Teilnehmenden dürfen selbstverständlich jeden Satz ihrer Gegner brav beantworten, als ob er Vorhand wäre. Wenn sie trotzdem ihre Partien gewinnen, ohne ein einziges Mal Tenuki gespielt zu haben, um so besser!
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2. Zeitplan

Warum fängt das Bayreuther Tenuki erst am Samstagnachmittag an?
Die Bahnanbindung hier in Bayreuth ist nicht die allerbeste. Damit Turniergäste von weiter her trotzdem bequem mit der Deutschen Bahn anreisen können, ohne unmenschlich früh aufstehen zu müssen, beginnen wir eben erst um 13.15 Uhr. Das ist immer noch früh genug, um samstags drei gemütliche Runden zu spielen und nachher noch eine Weile zum Essen, Trinken, Analysieren und Plaudern beisammenzusitzen.
Ich komme um 12.47 Uhr mit dem Regionalexpreß aus Nürnberg an. Ist das noch rechzeitig genug?
Ja, die Turnierplanung ist genau auf diesen Zug abgestimmt.
Was heißt "die Zeiten werden streng eingehalten"? Wartet Ihr nicht auf vorangemeldete Spieler, die irgendwo im Stau hängengeblieben sind?
Wie schon Michail Gorbatschow sagte: Wer zu spät kommt, spielt erst in der zweiten Runde. Selbst wenn eine Verspätung unverschuldet durch höhere Gewalt eintritt, wäre es einfach unsolidarisch, all die anderen Spieler warten zu lassen und damit den ganzen Turnierablauf durcheinanderzubringen. Am besten ist immer für alle Beteiligten, wenn verspätete Teilnehmer kurz am Turnierort anrufen und mitteilen, ob sie doch noch zur zweiten oder dritten Runde kommen.
Ist es nicht ein bißchen illusorisch zu glauben, daß eine Partie mit einer Stunde Bedenkzeit und englischem Byoyomi zu 15 Steinen in 5 Minuten grundsätzlich bereits nach drei Stunden beendet ist?
Nicht, wenn alle Spieler das Byoyomi als das ansehen, wofür es eigentlich gedacht ist: um die letzten Endspielsätze zu spielen, deren Größe man vorher bereits ausgerechnet hat, und vielleicht noch ein paar kleine Kokämpfe abzuwickeln. Wir bitten alle Teilnehmenden herzlich darum, ihre Zeit entsprechend einzuteilen.
Wenn eine Partie dennoch einmal länger dauern sollte, weil beide Spieler zu zögerlich sind, kann die nächste Runde auch schon unabhängig von diesem einen Ergebnis ausgelost werden.
Warum sind für die vierte Runde dreieinhalb Stunden angesetzt und für die anderen jeweils nur drei?
Weil alle Teilnehmenden am Sonntag genügend Zeit haben sollen, in Ruhe zu Mittag zu essen.
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3. Auslosung

Warum lost Ihr in solch steinzeitlicher Weise die Turnierpartien per Hand aus, wo es doch mittlerweile schon so schicke Programme dafür gibt?
All diese Losungsprogramme haben ihre Macken und führen oft unnötigerweise zu Partien, bei denen der Spielstärkeunterschied so groß ist, daß der schwächere Spieler keine Chance hat zu gewinnen. Solche Ungerechtigkeiten lassen sich leicht vermeiden, wenn man per Hand lost. Zudem ist es einfach besser, wenn für alle etwaigen Beschwerden allein die Turnierleitung geradezustehen hat und nicht ein augenblicklich nicht greifbarer Programmierer.
Unseres Wissens nach sind die Losungsprogramme obendrein nur für MS Windows geschrieben und laufen auf unseren Linuxmaschinen nicht.
Heißt das, daß ich am Ende des Bayreuther Tenukis nicht wie anderswo üblich eine Ergebnistabelle als Trophäe mit nach Hause nehmen kann?
Wir müssen eine solche Tabelle ohnehin für die Ratingliste anfertigen und veröffentlichen sie auch hier auf unseren Seiten. Kopien davon schicken wir interessierten Teilnehmenden ein paar Tage nach dem Turnier gern per E-Mail oder per Post zu.
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4. MacMahon

Wie funktioniert eigentlich dieses ominöse Turniersystem "MacMahon"?
Die Idee dahinter ist, daß im Turnierverlauf möglichst nur Teilnehmende etwa derselben Spielstärke gegeneinander spielen sollen und daß der Turniersieger unter den stärksten Spielern ermittelt wird.
Zu Beginn des Turniers erhält jeder Spieler entsprechend seiner Meldestärke eine Startpunktzahl: üblicherweise gibt man dem schwächsten Spieler null Punkte und jedem anderen Spieler genauso viele Punkte, wie er Spielklassen über dem Schwächsten liegt. (Ist der Schwächste etwa ein 20 Kyu, so fängt jeder 5 Kyu das Turnier bereits mit 15 Punkten an.) Für jede gewonnene Partie erhält ein Spieler einen weiteren Punkt, während bei einer Niederlage seine Punktzahl unverändert bleibt. Ein Unentschieden oder ein Freilos bringen einen halben Punkt.
In jeder Runde werden dann Spieler mit möglichst derselben augenblicklichen Punktzahl gegeneinander gelost. Das bedeutet, daß man zunehmend stärkere Gegner bekommt, wenn man oft gewinnt, und schwächere, wenn man häufig verliert.
Wie kann man daraus die Ergebnistabelle berechnen?
In der Endabrechnung werden die Spieler entsprechend ihrer erreichten Punktzahl (Abkürzung: s [score]) sortiert. Ist diese zwischen zwei Spielern gleich, so entscheidet die Summe der Punktzahlen aller Gegner (sos [sum of opponents' scores]). Wenn auch das nicht ausreicht, gibt es als drittes Unterscheidungskriterium noch die Summe der Gegnerpunktzahlen aller Gegner (sosos [sum of opponents' sos]).
Was bedeuten die "+" und "-" und "=" in der Ergebnistabelle?
Sie stehen für gewonnene, verlorene und unentschiedene Partien (oder Freilose). Die Zahl davor gibt die Nummer des Gegners an, gegen den man in der entsprechenden Runde gespielt hat.
Wenn ich das alles richtig verstanden haben, könnte ich also ein MacMahonturnier gewinnen, indem ich mich einfach frech als 50 Dan anmeldete?
Richtig. Um solchen Unsinn aber zu verhindern, bildet die Turnierleitung eine sogenannte Spitzengruppe aus den idealerweise acht bis zwölf meldestärksten Spielern, die dann alle dieselbe Startpunktzahl bekommen. Besteht diese Spitzengruppe zum Beispiel aus allen Teilnehmenden, die mindestens 2 Dan sind, so fängt jeder von ihnen mit genauso vielen Punkten an, wie ein 2 Dan bekäme, selbst wenn er sich als 3 Dan oder stärker angemeldet hat.
Das ist jetzt alles wunderbare graue Theorie. Kann ich dazu auch ein paar Beispiele sehen, um es besser zu verstehen?
Dazu können wir die Ergebnisse der bisherigen Bayreuther Tenukis empfehlen.
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5. Vorgabe

Gibt es beim Bayreuther Tenuki eigentlich Vorgabe, wenn in einer Partie die Gegner unterschiedlich stark sind?
Sofern keiner der beiden Gegner zur Spitzengruppe des Turniers gehört, spielen wir mit einer um eineinhalb Steine verminderten Vorgabe. Diese Vorgabe richtet sich allerdings nicht nach der Meldestärke, sondern nach der augenblicklichen MacMahonpunktzahl beider Spieler.
Die nachfolgende Tabelle zeigt, was das im einzelnen bei kleiner Vorgabe bedeutet.
Punktedifferenz bis 1,5 2 2,5 3 3,5 4 4,5 5
Vorgabesteine 0 0 2 2 3 3 4 4
Komi für Weiß 5,5 0,5 5,5 0,5 5,5 0,5 5,5 0,5
Warum wird nicht mit voller, sondern mit verminderter Vorgabe gespielt?
Wir gehen davon aus, daß die Meldestärke der Teilnehmenden immer etwas ungenau ist, und machen darum noch keinen Unterschied zwischen Spielern, die nur eine Spielstärke auseinanderliegen. Erst bei größeren Stärkeunterschieden ist Vorgabe nötig, um eine einigermaßen ausgeglichene Partie zu gewährleisten.
Wie werden die Vorgabesteine auf das Brett gesetzt?
Bei bis zu neun Steinen tun wir das nach japanischen Gepflogenheiten, das heißt auf den Sternpunkten mit möglichst symmetrischen Mustern.
Im seltenen Fall, daß mehr als neun Steine benötigt werden, darf Schwarz die restlichen Steine entweder frei plazieren oder auf sie verzichten und stattdessen für jeden nicht gespielten Stein das Komi für Weiß um zehn Punkte verringen.
Beeinflußt Vorgabe die Gegnerpunkte bei MacMahon?
Ja, ab dem 3. Bayreuther Tenuki haben wir das berücksichtigt, indem wir Weiß für jeden Vorgabestein einen Gegnerpunkt hinzugezählt und Schwarz einen abgezogen haben.
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6. Regeln

Nach welchen Spielregeln wird beim Bayreuther Tenuki gespielt?
Wir verwenden die japanischen Regeln, so wie sie im Handbuch des Deutschen Go-Bundes veröffentlicht sind.
Wie sind Gefangene und Byoyomisteine zu behandeln?
Beide sind für den Gegner deutlich sichtbar und zählbar neben das Spielbrett zu legen. Wenn in einer Partie sehr viele Gefangene auf beiden Seiten gemacht werden, empfiehlt sich ein Gefangenenaustausch bei kurzzeitig angehaltener Uhr.
Darf ich als Zuschauer einer Partie die Gegner darauf aufmerksam machen, daß eine der Uhren abgelaufen ist?
Nein, das ist eine ungerechtfertigte Einmischung in die Partie.
Beim Auszählen ihrer Partie haben zwei schwächere Spieler Leben und Tod von einigen Gruppen falsch bewertet. Darf ich sie auf ihren Fehler aufmerksam machen?
Nein, nicht bevor das Ergebnis der Partie bei der Turnierleitung eingetragen ist. Auszählen und Bewerten gehören zur Partie und müssen von den Gegnern allein und ungestört vorgenommen werden, auch wenn dabei aus der Sicht stärkerer Spieler Fehler unterlaufen (indem etwa eine gebogene Vier in der Ecke fälschlicherweise als Seki ausgelesen wird).
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7. Startgeld und Preise

Warum muß ich eigentlich bezahlen, um am Bayreuther Tenuki teilnehmen zu dürfen?
Wir erheben das Startgeld einzig und allein deshalb, weil wir am Ende des Turniers an erfolgreiche Teilnehmende auch ein paar Preise verleihen wollen. Wir sind dabei weder auf Profit aus, noch haben wir irgendwelche anderen Unkosten zu decken.
Was soll die Ermäßigung für frühzeitige Anmeldung?
Frühzeitige Anmeldung möglichst vieler Teilnehmender ist für uns deswegen wichtig, damit wir abschätzen können, wieviel Spielmaterial wir brauchen. Wenn die Teilnehmerzahl sehr hoch zu werden verspricht, müssen wir zusätzlich zu dem Materialbestand des Bayerischen Go-Vereins noch weitere Bretter, Steine und Uhren von anderswo anfordern.
Wie hoch sind die Preise für die drei Erstplazierten?
Das hängt von der Teilnehmerzahl und der Anzahl weiterer Preise ab, die wir zu vergeben haben. Reich wird man bei uns als Turniersieger nicht, aber man deckt zumindest großzügig die Kosten für das gesamte Wochenende.
Manchmal gelingt es uns zudem auch, für die Sieger noch eine kleine Extraüberraschung aus dem Werbeetat Bayreuther Unternehmen abzubetteln.
Was für Preise haben die Spieler zu erwarten, die vier Partien gewinnen?
In der Regel bieten wir freie Auswahl unter den Büchern am Materialverkauf an, also einen Sachpreis im Wert von etwa 30 DM. Wenn die Teilnehmerzahl so gering ist, daß sich kein Materialstand lohnt, gibt es stattdessen Bares im Umschlag.
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8. Verpflegung und Übernachtung

Ist für ausreichend Speis' und Trank beim Bayreuther Tenuki gesorgt?
Das Tenuki findet in der Vereinsgaststätte des Sportclubs Kreuz e. V. statt. Getränke gibt es dort zu vernünftigen, warmes und kaltes Essen zu günstigen Preisen.
Warum verkauft Ihr nicht selbst belegte Brötchen, Getränke und dergleichen, wie es auf vielen anderen Turnieren üblich ist?
Zum einen ist unser Goklub zu klein, um noch ein paar Leute als Verpflegungswarte abzukommandieren. Zum anderen ist die Atmosphäre einer solch urigen Sportgaststätte einfach viel gemütlicher und erholsamer als ein Gemeinschaftspicknick in einem dumpflangweiligen Veranstaltungsraum.
Ist das Rauchen beim Turnier erlaubt?
Grundsätzlich ja, auch wenn man freundlicherweise nicht unbedingt den nichtrauchenden Gegenspieler vollqualmen, sondern lieber eine kurze Pause auf der Terrasse einlegen sollte.
Ich habe mich so spät angemeldet, daß von den wenigen Schlafplätzen bei den Bayreuther Spielern keiner mehr übrig ist. Bin ich jetzt der Gelackmeierte?
Überhaupt nicht. Es besteht auch die Möglichkeit, bei der Kegelbahn des Vereinsheims kostenlos zu übernachten. Sportlerduschen stehen dort allen zur Verfügung. Morgens gibt es obendrein noch ein kostenloses Frühstück.
Vom Komfort her lebt es sich dort sicher besser als eingepfercht in einem privaten Gospielerhaushalt.
Gibt es auch günstige Gasthöfe oder Hotels in Bayreuth?
Zahlreiche, und außerhalb der Festspielzeit sogar sehr günstige. Eine kleine Auswahl findet sich im Bayreuth-Info oder bei Euro-Hotels. Für eine detaillierte Auskunft ruft man allerdings am besten den Fremdenverkehrsverein an.
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weitere Fragen

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